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Talking Head mit Daniel Erd, Pinsent Masons.

12 May 10:00 by Sven Laacks & Nicolai von Steinaecker

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Daniel Erd, Rechtsanwalt im Bereich Corporate & M/A, Sport-Enthusiast im Frankfurter Büro von Pinsent Masons im Gespräch mit unseren Kollegen Nicolai von Steinaecker und Sven Laacks über Rechtsberatung im Fußball- und Sport-Sektor, Trends und Entwicklungen.

LSS: Hallo Daniel, schön, dass Du Dir heute Zeit für uns genommen hast und wir gemeinsam über Fußball und die Besonderheiten der Rechtsberatung in der Sportbranche sprechen können.

DE (Daniel Erd): Besten Dank Euch beiden für die Einladung, über die ich mich sehr gefreut habe.

LSS: Daniel, wie ist es dazu gekommen, dass Du Dich als Rechtsanwalt – neben der klassischen Corporate & M/A Beratung - intensiv mit dem Sportsektor beschäftigen kannst?

DE: Genau genommen bin ich dem Sport und dem Fußball schon lange verbunden, insbesondere natürlich der Eintracht aus Frankfurt. So kam es dann auch, dass ich schon im Studium immer die Brücke zum Sport gesucht habe und mich mit Themen wie zum Beispiel Sportfinanzierung auseinandergesetzt habe. Dies setzte sich im Referendariat, in dem ich einen Teil bei der DFL verbrachte. Darüber hinaus blieb mir nur das Selbststudium, um mein Know-How zu erweitern. Oder aber das Verfassen des einen oder anderen Beitrages zum Themenbereich.

Meinen Berufsstart fand ich zunächst bei K&L Gates im Corporate/M&A. Vor zwei Jahren bot sich dann die Gelegenheit des Wechsels in das neu eröffnete Frankfurter Büro von Pinsent Masons. Dies gab mir die Gelegenheit der Zusammenarbeit mit Trevor Watkins, unserem Global Head of Sports, gegeben und damit auch den Zugang zu extrem interessanten Mandaten und Projekten im Sportbereich. Wir bei Pinsent Masons betreuen Vereine in täglichen rechtlichen Angelegenheiten und haben zudem bei Transaktionen wie dem Börsengang der Spielvereinigung Unterhaching und erst kürzlich dem Kauf des Premier League Clubs Burnley FC durch ALK Capital beraten.

LSS: Wow, das ist sicherlich nichts Alltägliches und wenn ich mich recht entsinne, die erste Transaktion dieser Art seit etlichen Jahren. Wie muss ich mir die Unterschiede vorstellen, wenn wir mal einen, sagen wir „normalen“ M&A Deal mit einem solchen Deal vergleichen?

DE: Die Fußball Branche bringt hier sicherlich zahlreiche Besonderheiten mit sich. Man kann dies zum einen gut mit einer Art regulierten Industrie vergleichen, nur dass hier – neben den gesetzlichen Regularien - nationale und internationale Verbände weitere Rahmenbedingungen vorgeben. Des Weiteren muss man die Branche in der Tiefe verstehen, da hier verschiedene Mechanismen, wie zum Beispiel die Bilanzierung und Bewertung ganz anders als im klassischen Industrieunternehmen ablaufen. So muss man z.B. wissen, dass Ablösezahlungen, die von Vereinen der Fußball-Bundesliga im Zusammenhang mit dem Wechsel von Lizenzspielern an die abgebenden Vereine gezahlt werden, als Anschaffungskosten auf das immaterielle Wirtschaftsgut der exklusiven Nutzungsmöglichkeit "an dem Spieler" zu aktivieren und auf die Vertragslaufzeit abzuschreiben sind. Letztendlich, und dies ist sicherlich ein Stück weit einzigartig, spielen bei einem solchen Geschäft auch softe Faktoren und regionale Fragen eine große Rolle. Ein Fußballverein mit einer 140-jährigen Geschichte wie der Burnley FC ist eng mit der Stadt, der Region und der Community verbunden. Ein ganz essentieller Teil des Deals war es daher, dass unser Mandant ein stimmiges und langfristiges Konzept vorlegt, wie diese Verbundenheit auch in der Zukunft fortgelebt werden kann.

LSS: Ich sehe schon, hier tickt die Welt doch etwas anders. Was hält Investoren noch vom deutschen Markt ab bzw. wo liegen die Unterschiede zu den internationalen Ligen?

DE: Eine komplexe Frage, bei der eine ganze Menge Faktoren eine Rolle spielen. Neben der bekannten Diskussion um die 50 + 1 Regel kommt hinzu, dass die deutschen Vereine, im internationalen Vergleich, recht hoch bewertet sind. So werden Traditionsvereine, die schon länger in der 2. oder 3. Bundesliga spielen, in der Höhe bewertet, wie man diese in den ersten Ligen anderer Länder wiederfindet. Dies spielt für den Einstieg eines Investors natürlich eine wichtige Rolle. Hinzu kommt auch, dass in Deutschland nicht mit den Anteilen der Clubs einfach „gehandelt“ wird, wie dies in anderen Ländern stattfindet. Schließlich haben bei den deutschen Vereinen die Mitgliederversammlungen ein starkes Mitspracherecht und müssen in die Entscheidungen mit einbezogen werden. Dies beschränkt häufig den Handlungsspielraum des Klubs oder sorgt zumindest für einen Unsicherheitsfaktor.

LSS: Aber letztendlich wird sich der Sport- und insbesondere der Fußballsektor anpassen müssen, oder? Sei es aus Liquiditätsgründen oder internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

DE: Hierauf wird es meines Erachtens hinauslaufen. Wir konnten gerade in den letzten Jahren immer wieder von finanziellen Schieflagen einiger Vereine hören. Die Corona-Pandemie hat hier als eine Art Katalysator gewirkt und die Probleme verstärkt. Die Öffnung der DFL für Private Equity Investoren (Link zum Finance Magazin) zeigt die Aktualität des Themas.

LSS: Da fragt man sich dann aber mehr denn je, was den Einstieg eines Investors bei einem mehr oder weniger verschuldeten Fußballverein interessant macht?

DE: Natürlich ist das Risiko da, denn sportlicher Erfolg ist schlussendlich nicht komplett planbar. Aber auch hier greifen die Mechanismen anders als im klassischen M&A Geschäft. Für Investoren spielen auch Marketingaspekte eine Rolle, die man zum einen für sich selbst, aber auch für verbundene Unternehmen nutzen kann. So hat zum Beispiel Flatex nach dem Einstieg als Hauptsponsor bei Borussia Mönchengladbach einen extremen Anstieg seiner Nutzer verzeichnen können.

LSS: Meinst Du, große Fußballnationen wie Deutschland, Frankreich oder Italien haben noch die Möglichkeit, die WM in Katar zu stoppen bzw. das Turnier mittels Boykotts zu diskreditieren? Zumindest der Rasenlieferant hat ja schon mal abgesagt….

DE: Als Fußballromantiker würde ich dies zwar begrüßen, allein mir fehlt der Glaube. Die drohenden Konsequenzen, wirtschaftlich wie organisatorisch sind doch sehr hoch. Ich habe eher die Hoffnung, dass einzelne Spielerpersönlichkeiten sich noch positionieren könnten und im Gastgeberland damit Zusagen erreichen könnten.

LSS: Zum Abschluss aber die wichtigste Frage: Wer soll der nächste Bundestrainer werden? Namen wurden ja schon viele genannt – Hansi Flick, Ralf Rangnick oder doch Jürgen Klopp?

DE: Mir würde Christian Streich als Bundestrainer gefallen.

LSS: Mit Streich könnten auch wir leben. Wobei wir ja leider erst einmal einen neuen Sportvorstand und Trainer in Frankfurt brauchen. Trotz des sportlichen Höhenflugs bleibt auch in Frankfurt vieles unsicher. Was sicher ist: wir trinken zusammen ein Bier, oder auch zwei, wenn die Stadien wieder aufmachen. 

DE: Ich vertraue da voll und ganz den handelnden Personen bei der Eintracht, die die letzten Jahre hervorragende Arbeit geleistet haben. Auf das Bier freue ich mich auf jeden Fall.

LSS: Lieber Daniel, wir danken Dir für den kurzweiligen Austausch!